Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die monatliche Rate gleich — aber das Verhältnis von Tilgung und Zinsen verschiebt sich mit jeder Zahlung. Hier erfährst du, warum das so ist und wie du davon profitieren kannst.
Was ist ein Annuitätendarlehen?
Die meisten Ratenkredite in Deutschland sind Annuitätendarlehen. Das bedeutet: Du zahlst jeden Monat den gleichen Betrag (die Annuität). Diese Rate setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:
Zusammen ergeben Zinsanteil und Tilgungsanteil immer exakt die vereinbarte monatliche Rate. Was sich ändert, ist das Verhältnis der beiden Bestandteile.
Warum der Zinsanteil mit der Zeit sinkt
Der Schlüssel liegt in einem einfachen Prinzip: Zinsen werden immer auf die verbleibende Restschuld berechnet.
Zu Beginn der Laufzeit ist die Restschuld hoch — also fallen auch hohe Zinsen an. Der grösste Teil deiner Rate fließt in die Zinsen, nur ein kleiner Teil tilgt tatsächlich die Schuld.
Mit jeder Ratenzahlung sinkt die Restschuld ein Stück. Dadurch fallen im nächsten Monat weniger Zinsen an. Da die Rate gleichbleibt, wandert der "frei werdende" Betrag automatisch in die Tilgung. Dieser Effekt verstärkt sich über die gesamte Laufzeit:
Praxisbeispiel: 10.000 € Kredit über 48 Monate
Schauen wir uns an, wie sich ein konkreter Kredit über die Laufzeit entwickelt:
Ausgangsdaten
Kreditsumme: 10.000 €, Zinssatz: 5,0 % p.a., Laufzeit: 48 Monate
Monatliche Rate: 230,29 €
1. Monat vs. 48. Monat
Monat 1: Zinsanteil 41,67 € | Tilgungsanteil 188,62 € | Restschuld 9.811,38 €
Monat 48: Zinsanteil 0,96 € | Tilgungsanteil 229,33 € | Restschuld 0,00 €
Der Zinsanteil sinkt von 41,67 € auf 0,96 € — ein Rückgang von über 97 %!
Gesamtbilanz
Gesamte Ratenzahlungen: 11.053,92 € | Davon Zinsen: 1.053,92 € | Davon Tilgung: 10.000 €
Die Zinsen machen etwa 9,5 % der gesamten Zahlungen aus.
Nutze unseren Tilgungsplan-Rechner, um die Entwicklung von Tilgung und Zinsen für deinen individuellen Kredit zu berechnen.
Tilgungsrate vs. Zinssatz: Was hat mehr Einfluss?
Beide Faktoren beeinflussen die Gesamtkosten, aber auf unterschiedliche Weise:
Höhere Tilgung (kürzere Laufzeit): Wenn du eine höhere monatliche Rate zahlst, wird der Kredit schneller zurückgezahlt. Die Restschuld sinkt schneller, dadurch fallen insgesamt weniger Zinsen an. Bei unserem Beispiel (10.000 € bei 5 %): Verkürzst du die Laufzeit von 48 auf 36 Monate, sparst du rund 270 € an Zinsen.
Niedrigerer Zinssatz: Ein günstigerer Zinssatz reduziert den Zinsanteil bei jeder Rate. Bei 10.000 € über 48 Monate spart ein um 1 Prozentpunkt niedrigerer Zins (4 % statt 5 %) etwa 215 € Gesamtzinsen. Tipps zum Kreditvergleich →
5 Tipps für eine schnellere Tilgung
Annuitätendarlehen vs. Tilgungsdarlehen
Neben dem Annuitätendarlehen gibt es auch das Tilgungsdarlehen (Abzahlungsdarlehen). Der Unterschied:
Beim Annuitätendarlehen bleibt die Rate gleich. Der Tilgungsanteil steigt, der Zinsanteil sinkt. Dies ist die gängigste Kreditform in Deutschland und bietet den Vorteil einer planbaren, gleichbleibenden Belastung.
Beim Tilgungsdarlehen bleibt der Tilgungsanteil gleich. Da die Zinsen auf die sinkende Restschuld berechnet werden, sinkt die Gesamtrate über die Laufzeit. Die anfängliche Belastung ist höher, dafür zahlst du insgesamt etwas weniger Zinsen. Tilgungsdarlehen sind vor allem im gewerblichen Bereich üblich.